Kinder & Jugend

thissongwillsaveyourlifecover Elise ist sechzehn als sie beschließt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie schafft es nicht mehr, die Außenseiterin zu sein, die Stille mit den komischen Klamotten, dem Ehrgeiz und den angewachsenen Kopfhörern. Aber sie überlebt und als sie Monate später nachts durch die Straßen wandert, auf der Suche nach Schlaf, stolpert sie über den Undergroundclub „Start“. Bald lebt Elise nur noch von einem Donnerstag zum nächsten, tagträumt von ihren neuen Freunden Vicki und Pippa und bandelt mit dem Club-DJ an. Aber vor allem wird sie selbst zum DJ, übt nachts bis zum Umfallen und wird besser als ihr Freund …

Es ist schwer, dieses Buch zu bewerten, weil ich denke, dass es hier nur zwei Kategorien von Lesern geben kann: Die, die Elise und ihre Verzweiflung verstehen, und die, die es eben nicht können (oder wollen).
Ich möchte nicht weiter ausführen, warum ich Elise verstehe, nur dass ich — würde es in Deutschland ein Mensasystem in öffentlichen Schulen geben wie in den USA — auch nicht in der Mitte gesessen hätte. Vermutlich wäre ich sogar gar nicht erst hingegangen und hätte mich in der Bibliothek verkrochen. (Hm, schade eigentlich. So viele entgangene Bücher. 😉 )

Auffällig ist, dass die Geschichte sehr stark startet und mich dazu verleitete, das Buch mit nach Hause zu nehmen und an zwei Abenden durchzulesen. Leider lässt dieser starke Einstieg, in dem so ehrlich und unverblümt ein depressives Mädchen sein Leiden und seine Selbstmordgedanken beschreibt, einfach nach sobald Elise den Undergroundclub entdeckt. Über das Buch hinweg wurden mir ihre Negativbeispiele schlechter Erfahrungen manchmal auch etwas zu viel, nicht weil ich mich schrecklich erinnert fühlte, sondern weil ich zwischen echtem Mitgefühl und, aus Autorensicht, dem leisen Verdacht nach fishing for „compliments“ schwankte.
Aber letztlich kann die Frage danach, wann oder was in der Seele schmerzt, nur von jedem Menschen individuell beantwortet werden und wer wären wir, uns gegenseitig unser Leid abzusprechen, nur weil es jeder anders empfindet?

Nun denn, was mir bleibt, sind Stil und Plot.
Zum ersten muss ich sagen, dass er genauso ist, wie er eben in der Realität auch ist (oder wie ich es zumindest gesagt hätte, unter den gegebenen Umständen). Mobbing verkorkst einen und wenn man Glück hat, wird man nur zynisch und sarkastisch wie Elise. Einfach, weil aus der Hilflosigkeit heraus nichts übrig bleibt, als selbst in den Angriff überzugehen (zumindest in Gedanken); wie ein Tier, das in die Ecke gedrängt wurde. Das ist natürlich nicht fair und nicht nett, und Elise wirkt dadurch manchmal schon zickig. Aber was sollte sie auch tun? Nett lächeln, Danke sagen und Gott um Vergebung bitten für die verzogenen Gören, die sie wie Dreck behandeln? … Insgesamt fand ich den Ton also passend und keineswegs übertrieben. (Lustigerweise ist es tatsächlich auch so, dass Gemobbte selbst zu Mobbern werden können. Kann man sich vorstellen wie Barney’s Chain of Screaming (Staffel 3, Episode 15) aus How I Met Your Mother.)
Was den Plot allerdings angeht… Da könnte wie immer mehr rausgeholt werden. Er kratzt nur an der Oberfläche, viele Szenen hängen nur lose zusammen. Elise erzählt mir zu viele Erinnerungen, stattdessen hätte ich mir mehr Konflikte innerhalb das Clubs gewünscht. Bspw. steht Pippa auf Char, den DJ, wird allerdings irgendwann nach Hause zu ihren Eltern in England zitiert, und Char bändelt mit Elise an. Die denkt nicht wirklich tief über diese Beziehung nach, merkt nur, dass sie mehr von sich erzählt als er, und lässt sich sonst von ihm befummeln. Klar, so viel Aufmerksamkeit und Nähe ist toll, gerade für Elise, aber eben gerade deswegen plätschert mir die Beziehung zu sehr dahin, gerade deswegen hätte ich gedacht, dass sie viel mehr darüber nachdenkt. Wo sind auch die Leute, die ihr innerhalb des Clubs ans Bein pinkeln wollen? Wie wäre es mit einer anderen DJane als Konkurrentin gewesen, was wäre gewesen, wäre Pippa nicht weggegangen? Was wäre gewesen, wenn sich Elise wirklich verliebt hätte in Char (und nicht nur in das Gefühl der Macht als DJ)? Und warum, gottverdammt, gibt ihr der Clubbesitzer einen eigenen Abend als DJ, obwohl er genau weiß, dass sie minderjährig ist? Mal vom Überflieger-Gen abgesehen, dass Elise sehr schnell sehr gut wird. (Was ich gerade nicht beurteilen kann, da ich selbst nie DJ war.) Aber letztlich muss man der Geschichte lassen, dass sie dadurch nicht stockt; im Gegenteil, sie rasselt die Stationen ziemlich schnell herunter — und dummerweise hilft das trotzdem nicht gegen mein Gefühl, dass ihr Drama fehlt.

Zusammen gefasst lässt sich sagen, dass mich dieses Buch gespalten zurück ließ. Ich mag die Themen und die Art wie Unerschrocken damit umgegangen wird, in der Ausarbeitung fehlt mir aber trotzdem einfach Konflikt, der einen guten Plot ergeben hätte.
Lest das Buch also einfach selbst.

Sales, Leila: This Song Will Save Your Life
978 3 440 14629 3
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart
Juli 2015
HC, X Seiten

Buchhändlerromane, Roman

Dummy_Jahr-209 Valerie, jung und dynamisch, muss ihr Studium unterbrechen als ihre Tante von einem Tag auf den anderen verschwindet und ihr die Buchhandlung überlässt. Natürlich ist der Laden genauso in die Jahre gekommen wie die Tante und als echter BWL’er steht für Valerie nur eins fest: Er muss aufgelöst werden. Allerdings hat sie die Rechnung ohne die Bücher und ihre Geheimnisse gemacht, die Valerie perfide auf ihre Seite(n) ziehen …

Natürlich musste ich diese Geschichte lesen, als Buchmensch blieb mir ja nichts anderes übrig. Geschadet hat es nicht, auch wenn der eigentliche Klappentext mehr Spannung versprach als ich dachte. Denn unglücklicherweise kommt der geheimnisvolle Mann, der ein Buch sucht, das ebenso wie der Roman heißt (Nachtigall, ick hör dir trapsen …), nur zweimal vor. Das erste Mal in der Mitte des Buches und dann am Ende. Tja, und das geheimnisvolle Ticket schafft es auch gerade erst zum Finale zu erscheinen — wobei das Finale dieser Geschichte auch nur wieder der Beginn einer nächsten ist. Huch, wie bedeutungsvoll!
Aber Butter bei die Fische.

Buchhändlerromane sind in erster Linie, na, nicht für Buchhändler sondern für Leser, die sich das Buchhändlerdasein recht verträumt vorstellen. Valerie gehört am Anfang der Geschichte nicht dazu; weder zu den Träumern, noch zu den Lesern. Kritisch betrachtet sie die Geschäftsbücher der Tante und stellt erschrocken fest, dass der Laden sich eigentlich gar nicht trägt. Dass die Tante auch jahrelang fällige Rechnungen nicht mahnte, ist da wohl Symptom und Übel zugleich. Als Buchhändler muss ich sagen, dass sich viele Läden leider tatsächlich nicht selbst tragen und nur überleben, weil Geld aus privaten Taschen zugeschossen wird. Traurigerweise gibt es aber auch viele Läden, sie sich nur dank Buchpreisbindung tragen. Die wenigsten Handlungen kommen über die Runden, weil wirklich Leute dort kaufen. Insofern ist es nicht verwunderlich und nachvollziehbar, wenn nicht gar geboten, dass Valerie beschließt, nach Inventar, Inventur und Bilanz, den Buchladen zu schließen.
Jetzt ist so eine Buchhandlung — und so ein Buch — aber immer mehr als die Summe ihrer Teile und es ist daher genauso logisch, den Laden nicht zu schließen. Vor allem nicht, wenn man den Buchhändler-Alltag damit verbringt, die eigene Ware selbst zu lesen (und damit den Wert zu mindern …), Tee zu kochen und die Zeit vergehen zu lassen. Da hilft es auch nicht, die Ratte aus dem Hinterhof lieb zu gewinnen und mit ihr zu reden. Zumindest hilft es nicht dem Laden, als Leser fand ich es, ja, ich muss es zugeben, doch charmant. Was ich sagen will, ist: Ich liebe Bücher. Aber Buchhändlersein sieht anders aus. Im Gegenteil, als Buchhändler tue ich eins am wenigsten, nämlich (genussvoll) zu lesen. Trotz allem schafft es Valerie allerdings, über Vertretergespräche nachzudenken, alte Rechnungen einzutreiben, Beziehungen zu den anderen Ladenbesitzern im Viertel aufzubauen, Kunden mittels eines Starautors in den Laden zu locken, einen Bauarbeiter mit einem Buch zu beglücken — und überhaupt wieder Herrin ihres Lebens zu werden. Dazu gehört es auch, ihrem BWL-Freund nach ein paar Szenen einen Laufpass zu geben. (Strike; er war wirklich ein Idiot.)

Bis hierhin lässt sich also sagen: Ich mag Valerie, ich mag vor allem ihre Wandlung von der lebensfremden BWL’erin zum Buchmenschen — aber mir ist das doch alles irgendwo sehr romantisiert dargestellt. Aber was ist schon (Bücher)Liebe, wenn nicht romantisch? 😉
Was mich allerdings nach einer Weile wirklich ermüdete, war einfach der Stil, oder besser gesagt, der Aufbau der Kapitel. Zuerst stellt Montasser völlig losgelöst von der Romanhandlung eine Behauptung auf, romantisiert etwas herum, nur um diese Behauptung dann mit einer entsprechenden Szene zu untermalen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, dass es mehr um das allgemeine Schwadronieren ginge als tatsächlich um Valerie und ihr Schicksal. Sehr schade. Auch eben, weil die allgemeinen Passagen mir als Leser die Nähe zum Text genommen haben und ich daher nicht wirklich tief in die Geschichte eintauchen konnte. So passierte mir wieder das, was mir scheinbar doch schnell passiert: Mir fehlte Spannung, mir fehlte Konflikt, es plätscherte nur wieder vor sich hin.

Insofern: Schützt euch vor Kitsch und zergeht zugleich darin, wenn ihr das Buch lest. Und vergesst die 18 EUR VP, sie sind zugleich zu viel und zu wenig dafür. 😉

Montasser, Thomas: Ein ganz besonderes Jahr
978 3 85179 305 5
Thiele & Brandstätter Verlag GmbH, München-Wien
September 2014
HC, 192 Seiten

Aus dem Off, Neuzugänge

Hu, lang ist’s her, dass ich mir ein Buch gekauft habe. Scheine ich doch ansatzweise mein Vorhaben zu erfüllen, weniger zu kaufen und mehr zu lesen. 😀 (Nun, zumindest wenn man die Bücher abzieht, die ich mir über’s Schreiben gekauft habe …)
Tatsächlich Geld ausgegeben habe ich in den letzten Wochen nur für eins:

The Stand von Stephen King (Hörbuch)
Einfach, weil ich nach sehr langer Zeit nun doch mit Anna Karenina durch war und gerne lange Hörbücher höre. The Stand schlägt in ungekürzter Variante mit gut 54h zu buche. Das sind sogar 18h mehr als Anna Karenina. 😀 Außerdem wird es natürlich von David Nathan gelesen. (Hatte die Stimme schon vermisst.)

Daneben gab’s noch in kostenfreier E-Book-Variante folgende Titel, allesamt von Jules Verne:
Fünf Wochen im Ballon
Reise nach dem Mittelpunkt der Erde
Reise um den Mond
Von der Erde zum Mond
Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer I & II

Ebenso kostenfrei:
Der Golem von Gustav Meyrink

Außerdem wollte ich mehr aus meinem Bücherstapel rausholen und habe mich für eine ABC-Titel-Challenge entschieden. 😀 Allerdings nirgendwo angemeldet sondern für mich allein, so nebenbei. Sollte ich schneller damit fertig sein als gedacht, muss ich mir wohl eine andere Challenge suchen. Oder mich sticht der Hafer zwischendurch. Mal gucken. *pfeif*

Nachtrag 09.03.2014:

Wenn man vom Teufel spricht, oder so. Da habe ich mir am Samstag doch noch ein paar Bücher gekauft:

Ein ganz besonderes Jahr von Thomas Montasser
Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami

Roman, Schriftsteller

st aubyn beste roman jahres

Edward St Aubyn begegnete ich das erste Mal vor vier Jahren als ich Schöne Verhältnisse von ihm las. Zugleich war ich fasziniert wie angewidert von den kaputten Familienverhältnissen, die er darin beschrieb. Mit Der beste Roman des Jahres hat er allerdings, meiner bescheidenen Meinung nach, einen großen Schritt im Können gemacht. Wo Schöne Verhältnisse offen abstoßend waren, geht es alles in Der beste Roman subtiler zur Sache. Nicht zuletzt auch, weil uns mehrere Personen vorgeführt werden, deren Ach und Weh vom verliehen Preis bestimmt werden.

Aber was ist das für ein Preis? Wie der Titel vermuten lässt, geht es um einen Literaturpreis, dessen Gewinn in meinen Augen fragwürdig ist, wird er doch von einem Agrarkonzern ausgelobt, der Herbizide, Pestizide und genverändertes Getreide produziert. (Aber natürlich ist es Absicht.)
Interessanter, und Kern des Romans, sind hingegen die Personen, die vom Elysia-Preis vereinnahmt werden. Zum einen wäre da ein kleiner Politiker, der sich vom Vorsitz der Preisjury eine höhere Aufmerksamkeit und Bekanntheit verspricht. Hinzu kommt natürlich die Jury selbst, aus mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten, die mehr oder weniger etwas mit Literatur zu tun haben, und einige Spieler von der Seitenbank wie die bindungsscheue Schriftstellerin Kathrine, ihre drei Lover, eine Dame aus indischem Königshaus, deren Kochbuch zum Romanpreis eingereicht wurde, und ihr Neffe, völlig realitätsfremd und angesäuert, dass sein Meisterwerk nicht für den Preis nominiert ist.
Das für mich Herausragende am Roman besteht allerdings darin, dass St Aubyn viele Erzählstimmen vereint, wenn er seine Charaktere aus den zum Preis eingereichten Romanen lesen lässt. Das reicht von Gossensprache, aber schwülstige Naturbeschreibungen bis hin zum hochtrabenden Geplänkel eines Adligen. Insgesamt alles abwechslungsreich zu lesen, auch wenn mir manche Auszüge zu lang waren. (Oder es bspw. nicht ganz so leicht war, Didiers hochtrabenden Gedankengängen zu folgen.)

Der beste Roman des Jahres war ein Genuss zu lesen. Bedingt durch die Thematik denke ich allerdings, dass dieser Roman eher für diejenigen interessant ist, die der Literatur oder dem Schreiben etwas abgewinnen können.

St Aubyn, Edward: Der beste Roman des Jahres
978 3 492 05435 5
Piper Verlag GmbH, München
September 2014
HC, 255 Seiten

Aus dem Off, Geplauder

Manchmal ist die Technik Fluch und Segen zugleich. Zum einen hilft sie mir natürlich die Übersicht über alle meine Bücher zu bewahren — andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob ich das auch alles immer so wissen will.
Nachdem ich gestern jedenfalls wieder ein Buch angefangen habe zu lesen und es dann natürlich auch gleich tagesaktuell bei Goodreads verkünden musste, war ich dann doch kurz erschrocken. Unter „currently reading“ listet mir die Seite 25 Bücher.
Mal wieder.

Mal ein kleines Zahlenbeispiel, was das bedeutet (und weil mir langweilig ist):

25 Bücher sind 42% meines Jahresziels (das sind 60 Bücher).
Vom aktuellen Lesestapel sind 10 Bücher von 2014.
Auf meinem SuB von 2014 liegen noch 36 Bücher. Minus 10 bleiben noch 22 Bücher, die ich bisher nicht angefangen habe.
25 plus 22 sind 47 Bücher (78% vom Jahresziel).
In der Summe kann ich meinen sonstigen SuB, der von 2013 bis sonstwann zurück reicht, also nur um 13 Bücher schmälern.
— Und das alles unter der Prämisse, dass ich 2015 keine Bücher mehr kaufe und es auch tatsächlich schaffe, alle Bücher vom aktuellen Lesestapel zu beenden … Unwahrscheinlich. 😀 Habe ja bereits wieder 4 Bücher gekauft. (Bleiben also 9 Bücher von der Dunkelzifferliste.)

Wie viele Bücher ich insgesamt habe? Keine Ahnung. Mein Freund wollte immer mal eine Inventur machen, geschafft haben wir das bisher nicht. Aber ich schätze mal, die Dunkelziffer liegt bei um die 100 Bücher. Schmälern ließe sie sich nur, wenn ich mal aussortieren würde. (Was ich auch schon getan habe, aber ich kann mich so schlecht von den Dingern trennen. 🙁 Davon abgesehen, dass sie auch irgendwie keiner haben will.
Die Welt ertrinkt anscheinend im Kulturgut Buch … Nun, zumindest die deutschsprachige Welt.)

Insgesamt also alles recht ernüchternd. Mal schauen, wie sich 2015 entwickeln wird.

Hörbuch & Hörspiel, Kinder & Jugend, Science Fiction

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Thomas weiß nicht, wer er ist — und wo er ist noch weniger. Diese Lichtung voller Jungen ist nicht Neverland, aber wohl genauso entrückt von der Welt. Hohe Steinmauern schließen die Jungs ein, gefährliche Maschinen streifen durch das Labyrinth, das außerhalb der Mauern liegt, und rauben einen nach dem anderen. Thomas beginnt, sich in diese Gemeinschaft einzuleben als ein weiterer Neuankömmling die Lichtung betritt: Teresa, das erste Mädchen und der letzte Mensch, den die Erbauer schicken werden.

Das klingt jetzt alles so viel spannender als es tatsächlich ist. Ehrlich. Maze Runner ist eines der langweiligsten Bücher, das ich je gehört habe und das einfach so viel Potential verschenkt. Das einzig Gefährliche an den Greavern ist David Nathans Vertonung ihrer Geräusche. Die Jungen erzählen Thomas nichts, sagen ihm nur, tu dies, tu das. Als Leser ist man also genauso ahnungslos wie der Protagonist — und das ist sehr nervig. Für mich zumindest. Dann fliegt Thomas, natürlich weil er der Prota ist, alles zu. Er überlebt eine Nacht im Labyrinth, er löst das Rätsel um die sich bewegenden Labyrinthmauern über Nacht und er kann über Gedanken kommunizieren. (Was zur … ?) Das Nächste ist auch: Das einzige Mädchen unter, hm, vll. dreißig Jungen, kann natürlich auch über Gedanken kommunizieren und bis auf kryptische Botschaften an Thomas tut sie nichts. Absolut gar nichts. Das einzige Mädchen ist ein Plot Device. Seriously?
Und natürlich fällt Thomas die Lösung, was der ganze Hickhack mit dem Labyrinth soll, auch über Nacht ein. Als er und viele andere Schablonen (Charaktere kann man das nicht nennen) aus dem Labyrinth entkommen, wird ihnen auch nur das erzählt, was wir von Thomas wussten — nur um anschließend entführt zu werden. Weil sie ja die Retter gegen den „Brand“ sind. Scheinbat trifft zu viel UV-Strahlung auf den Planeten und verbrennt die Menschen. Wie da ein paar Kinder, die wie in einer kranken Version vom Dschungelcamp zusammen gepfercht waren, gegen die Sonne helfen sollen, weiß ich nicht. Und es interessiert mich auch nicht wirklich.
Die Tribute von Panem haben mich schon nicht überzeugt, Maze Runner war eine herbe Enttäuschung. Warum ich es trotzdem zu Ende gehört habe? David Nathan. Die Art wie er liest ist einfach sehr, sehr toll.

James Dashner: Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth
978 3 86742 170 6
Hörbuch Hamburg HHV GmbH, Hamburg
September 2014, 7h 52min
Hörbuch

Aus dem Off, Neuzugänge

A haha, wie war das, erstmal keine neuen Bücher zu kaufen? 😀 Natürlich, hat wie immer bestens geklappt.
Na, dafür waren drei davon aus der Grabbelkiste und nur eins zum vollen Preis.

Billy Buddd von Melville
Mal wieder etwas für meine Klassikbildung. Wobei mich in erster Linie das Setting angesprochen hat, weniger, dass es von Melville ist. Da ich von ihm aber auch noch nichts gelesen habe, war das ganz gut.

Ben Hur von Lewis Wallace
Meine Mutter schwört auf den Film. (Vermutlich wegen Charlton Heston. *g*) Bevor ich mir das 3,5h-Epos allerdings antue, dachte ich, vorher könnte ich auch den Roman lesen.

Das Schweigen des Sammlers von Jaume Cabré
Ich habe keine Ahnung, worum es geht. xD Aber das Cover war schön, der Ladenpreis ist aufgehoben und bei Goodreads hat das Buch durchweg gute und sehr gute Rezensionen.

Der beste Roman das Jahres von Edward St Aubyn
Yay, noch ein Schriftstellerroman! 😀 Ich habe vll. vor vier Jahren (mein Gott, ist das lange her) schon einmal eine Novelle von ihm gelesen und war einerseits von der Schreibe angetan wie von den Charakteren angewidert. Mal schauen, wie eklig es diesmal wird.

Wie gut, dass ich mein Lesevorhaben für 2015 im Vergleich zum Vorjahr nochmals angehoben habe, hoffentlich schrumpft mein SUB mal beachtlich. 36 vom letzten Jahr sind ja noch übrig und dann habe ich mindestens noch genauso viele aus den Jahren zuvor noch im Regal stehen …

Fantasy, Krimi

Johannes Cabal hat Besseres zu tun, als mit der mirkavianischen Schickeria Cocktails zu schlürfen und über den Himmel zu schippern. Aber was will man machen, wenn man als Bücherdieb und Totenbeschwörer auf der Flucht ist. Glücklicherweise geschieht alsbald ein Mord und Cabal vertreibt sich die Zeit mit dessen Aufklärung — was sich allerdings etwas schwierig gestaltet, da seine Tarnidentität nicht von der neugierigsten Sorte ist und auf Cabal auch noch ein Mordanschlag verübt wird. Nun, zumindest auf seine herumschnüffelnde Tarnung. Und als wäre das nicht genug, muss sich Cabal noch mit Miss Barrows herum schlagen, deren Leben er letztlich retten darf. Und seines natürlich ebenso. Nur das Luftschiff … Tja.

Manchmal verliert man Dinge aus den Augen und mir ging es mit dieser Serie so. Teil 1 (Seelenfänger) las ich irgendwann 2012, grob kenne ich die Geschichte noch, aber wie sehr mir der Stil gefiel, weiß ich nicht mehr. Es muss allerdings nicht allzu schlecht gewesen sein, sonst hätte ich den zweiten Teil nicht doch irgendwann gekauft. Dann stand das Buch natürlich im Regal. Und stand, und stand, und stand. Und fast hätte ich ein wunderbares Lesevergnügen verpasst.
Natürlich, der Krimiplot von Cabals zweitem Abenteuer ist nicht sonderlich ausgefeilt, enthält aber letztlich alles, was ein guter Agententhriller der 60er Jahre braucht. — Ja, das Buch kann sich nicht entscheiden, welches Genre es bedienen will. Aber das macht nichts. Wovon es getragen wird, ist zum einen Cabal als Figur, der typische Antiheld, und zum anderen der Humor. Trocken, abgeklärt, überraschend. Eben ganz wie Cabal.

Zu meiner Bestürzung musste ich allerdings feststellen, dass der Titel als deutsche Ausgabe anscheinend nicht mehr lieferbar ist und nur noch gebraucht bezogen werden kann. Bei der englischen Ausgabe sieht es auch nicht unbedingt besser aus. Schade, ich hätte das Buch gern weiter empfohlen.


Howard, Jonathan L.: Johannes Cabal — Totenbeschwörer
978 3 442 47034 1
Wilhelm Goldmann Verlag, München
Oktober 2010
Paperback

Aus dem Off, Neuzugänge

Mein Weihnachtsfest war in diesem Jahr recht beschaulich und meine einzigen Bücherneuzugänge bestanden aus einem Wichtelgeschenk über den Tintenzirkel und einem Buch, das ich mir selbst gekauft habe (war Ladenpreisaufhebung).
Um allerdings nicht ins Hintertreffen zu geraten, was die zeitnahe Buchführung meines SuB-Wachstums anbelangt …

Neu hinzugekommen sind also:

Nordpol bei Nacht von Mike Horn
Die Seelenwärter von C. Gref, M. Schwagmann

Hach, ich denke, mit den Seelenwärtern fange ich gleich im neuen Jahr an. 😀

Nachtrag:

Wie konnte ich das nur vergessen. Nachdem mich Neil Gaiman mit The Ocean at the End of the Lane so fasziniert hat, hatte ich mir gleich noch mehr Bücher von ihm zugelegt:

The Graveyard Book
Neverwhere
American Gods

Das Graveyard Book habe ich bereits angefangen und bin erneut erlegen, auch wenn es nicht immer so stark in der Sprache ist, macht es dennoch sehr viel Spaß. (Mensch, ich brauch mehr Zeit zum Lesen.)

Fantasy, KG & Novellen

Von mordlüsternen Flusswassermännern über weihnachtliche Anderswelten bis zu schuhfressenden Werpudeln bietet diese Anthologie einiges an Abwechslung. Erfrischenderweise — aber anders als der Titel vermuten lässt — gibt es nur eine Vampirgeschichte. Ansonsten treffen wir noch auf mordende Weihnachtsbäume, besuchen ein damönisches Fest, erleben einen Herzinfarkt hautnah oder hören Erzählungen über geheime Magierkriege und Schrumpfzauber.

Die Qualität der Geschichten, sowohl in puncto Originalität, Stil und Plot schwankt, auch der phantastische Anteil ist oft nicht so direkt ersichtlich. Gerade ab der Hälfte des Buches werden die Geschichten eher, wie soll ich sagen, langweiliger, schematischer beziehungsweise gerade die Geschichte 24 Hahnenschreie wirkte auf mich sehr deplatziert (und mit den erklärenden Fußnoten auch nicht wirklich gut gelöst). Als wären gerade die letzten vier/ fünf Geschichten nur Füller gewesen.
Hingegen gefiel mir Blüten sehr gut. Darin erklärt eine Krähe einem Weihnachtsbaum, der einsam auf einem Balkon steht, wie es um ihn steht und was mit ihm noch geschehen wird. Das Bäumchen lässt sich von der Krähe jedoch nicht zur Trauer um seinen baldigen Tod hinreißen und beweist ihr, welch Magie in ihm steckt. Eine kurze, aber schön-traurige Geschichte über den Kommerz zu Weihnachten. (Ja, ich lehne es zutiefst ab, Bäume nur dafür zu kultivieren, dass sie zu Millionen für Weihnachten gefällt werden können.)

Insgesamt gesehen ist es eine solide Anthologie, die durchaus mit witzigen Ideen zu überzeugen weiß (der eingangs erwähnte Werpudel), aber auch ernste Töne anschlägt (s. Blüten).


Das Fest der Vampire (Anthologie)
978 3 492 26678 9
Piper Verlag
November 2008
TB