Hörbuch & Hörspiel, Science Fiction

Hiroshi, Sohn eines reichen Amerikaners und einer japanischen Wäscherin, hat bereits als Halbwüchsiger einen Plan wie er die Ungerechtigkeit der Welt abschaffen kann, indem er alle Menschen zugleich reich machen will. Seiner Freundin Charlotte, Tochter des französischen Botschafters in Tokio, erklärt er seinen Plan erst Jahre später nachdem er selbst mit einer technischen Spielerei zu Reichtum gekommen ist und für seine Idee Investoren gefunden hat. Dummerweise ist er nicht der erste mit dieser Idee, und seine Vorgänger vor tausenden von Jahren haben sie auch nicht gerade zum Wohle der Menschheit eingesetzt.

Herr Eschbach ist einer der wenigen Autoren, die sich seit Jahren ganz oben halten in den Beststellerlisten und entsprechend kann man hoffen, auf halbwegs unterhaltsame Literatur zu stoßen. In diesem Falle nur leider weit gefehlt. Herr Eschbach, was war nur los?
Zugegeben, es war mein erster Eschbach, ich kannte bisher nur die Verfilmung des Jesus Videos, was mir allerdings genug war, um Gutes zu hoffen. Tja, und dann sah ich mich unversehens in einer Geschichte wieder, die zur Hälfte in weiten Teilen belanglos und völlig schnarchlangweilig war. Nur weil die Grundsteine für eine Geschichte lange in der Vergangenheit liegen, muss man nicht unbedingt die ganze Lebensgeschichte der Figuren von den Grundsteinen an erzählen bevor man zur eigentlichen Geschichte kommt. Bei Der Herr aller Dinge ist das aber leider der Fall.
Das Buch beginnt mit Hiroshi und Charlotte im Kindesalter in Tokio und schildert wie beide sich kennen lernen, begleitet sie dann wie sie sich auseinander leben und nur alle Jubeljahre wieder sehen bis Charlotte ungefähr nach zwei Dritteln des Buches eine Arktisreise antritt und dabei auf technische Hinterlassenschaften trifft, die außerirdisch anmuten – sie sogleich aber auch an Hiroshis Erfindung erinnern und sie ihn deswegen anruft. Als wären die ersten zwei Drittel des Buches im Nachhinein angepappt wurden, weil man sonst fürchtete das Buch würde zu dünn, nimmt die Geschichte mit der Arktisreise an Fahrt auf, führt eine ziemlich irre Verschwörung ein und endet für mich sehr unbefriedigend und willkürlich.
Neben der Tatsache, dass manche Dinge sehr abstrus sind (eine Vorzivilisation, von denen es keine Nachlassenschaften gibt, und die Raumschiffe gebaut hat, deren einziger Zweck es ist, andere belebte Planeten zu zerstören), haben mich die Charaktere am meisten geärgert. Hiroshi, weil er keine tieferen Bindungen mit anderen Menschen eingeht und es nicht einmal fertig bringt, Charlotte seine Gefühle zu gestehen – und Charlotte, weil es mit ihr das Gleiche ist, sie aber vor allem die meiste Zeit sehr passiv agiert und mehr eine Beobachterin ist als eine handlungstragende Figur. Zumal sie ihre tolle, übernatürliche Fähigkeit (sie kann sehen und fühlen, was Menschen fühlten als sie bestimmte Dinge in der Hand hatten) im Laufe der Geschichte einfach verliert. Anstatt sie bspw. in der Antarktis anzuwenden und das Tagebuch eines russischen Wissenschaftlers zu entschlüsseln, müht sie sich in sterblicher Kleinstarbeit ab und übersetzt es umständlich… weil Charlotte Sprachen auch nur übers Hören lernt, und nie das Lesen dazu. Ehrlich, wie blöd muss man sein? Wenn man die Sprache schon wie ein Muttersprachler sprechen kann, ist es doch nicht so schwer, noch lesen zu lernen.
Aber das Ärgerlichste war das Ende, bei dem sich Hiroshi völlig feige aus der Affäre zieht und die Erde zum Sterben zurück lässt. (Ich mein, das Raumschiff ist doch immer noch da? Ich erinnere mich jedenfalls nicht, dass dieser Strang abgeschlossen wurden wäre.) Natürlich ist trotzdem alles Friede Freude Eierkuchen, weil Hiroshi Charlotte endlich seine Gefühle gesteht und ihr ein recht… makabres Erinnerungsstück hinterlässt.
Insgesamt gesehen einfach ein Thriller ohne Thrill, bei dem selbst der Sprecher droht einzuschlafen.

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Eschbach, Andreas: Herr aller Dinge
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Lübbe Audio
September 2011
Hörbuch, ca. 24 Stunden

Hörbuch & Hörspiel, Kinder & Jugend, Science Fiction

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Thomas weiß nicht, wer er ist — und wo er ist noch weniger. Diese Lichtung voller Jungen ist nicht Neverland, aber wohl genauso entrückt von der Welt. Hohe Steinmauern schließen die Jungs ein, gefährliche Maschinen streifen durch das Labyrinth, das außerhalb der Mauern liegt, und rauben einen nach dem anderen. Thomas beginnt, sich in diese Gemeinschaft einzuleben als ein weiterer Neuankömmling die Lichtung betritt: Teresa, das erste Mädchen und der letzte Mensch, den die Erbauer schicken werden.

Das klingt jetzt alles so viel spannender als es tatsächlich ist. Ehrlich. Maze Runner ist eines der langweiligsten Bücher, das ich je gehört habe und das einfach so viel Potential verschenkt. Das einzig Gefährliche an den Greavern ist David Nathans Vertonung ihrer Geräusche. Die Jungen erzählen Thomas nichts, sagen ihm nur, tu dies, tu das. Als Leser ist man also genauso ahnungslos wie der Protagonist — und das ist sehr nervig. Für mich zumindest. Dann fliegt Thomas, natürlich weil er der Prota ist, alles zu. Er überlebt eine Nacht im Labyrinth, er löst das Rätsel um die sich bewegenden Labyrinthmauern über Nacht und er kann über Gedanken kommunizieren. (Was zur … ?) Das Nächste ist auch: Das einzige Mädchen unter, hm, vll. dreißig Jungen, kann natürlich auch über Gedanken kommunizieren und bis auf kryptische Botschaften an Thomas tut sie nichts. Absolut gar nichts. Das einzige Mädchen ist ein Plot Device. Seriously?
Und natürlich fällt Thomas die Lösung, was der ganze Hickhack mit dem Labyrinth soll, auch über Nacht ein. Als er und viele andere Schablonen (Charaktere kann man das nicht nennen) aus dem Labyrinth entkommen, wird ihnen auch nur das erzählt, was wir von Thomas wussten — nur um anschließend entführt zu werden. Weil sie ja die Retter gegen den „Brand“ sind. Scheinbat trifft zu viel UV-Strahlung auf den Planeten und verbrennt die Menschen. Wie da ein paar Kinder, die wie in einer kranken Version vom Dschungelcamp zusammen gepfercht waren, gegen die Sonne helfen sollen, weiß ich nicht. Und es interessiert mich auch nicht wirklich.
Die Tribute von Panem haben mich schon nicht überzeugt, Maze Runner war eine herbe Enttäuschung. Warum ich es trotzdem zu Ende gehört habe? David Nathan. Die Art wie er liest ist einfach sehr, sehr toll.

James Dashner: Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth
978 3 86742 170 6
Hörbuch Hamburg HHV GmbH, Hamburg
September 2014, 7h 52min
Hörbuch

Hörbuch & Hörspiel, Science Fiction

eggers-der-circle

Die 24jährige Mae Holland wiegt sich im Glück als sie eine Stelle im coolsten Unternehmen jenseits der Sonne erhält. Schnell verliert sich Mae in der Firma, im „Circle“, und treibt deren Wahn nach völliger Transparenz mit Feuer und Flamme voran. Natürlich regen sich auch Stimmen des Widerstands, aber können sie Mae wirklich retten?

… Ich mache jetzt mal etwas, das ich sonst nicht mache und verrate das Ende: [Nein, Mae ist nicht zu retten. Und zu allem Überfluss verhilft sie dem Circle zur Weltmacht und besiegelt damit das Schicksal aller in totaler Überwachung unter zu gehen.]

Es ist ja nicht so, dass die vorgestellten Technologien des Circles nicht interessant wären. Dass der Circle die totale Transparenz einfordert und dabei gründlich über das Ziel hinaus schießt, ist — im Sinne des Buchs — auch zu erwarten. Und natürlich spielt das Buch auch mit den Ängsten vor einem Überwachungsstaat.
Dass es dabei aber so furchtbar langweilig daher kommt und bis auf Ängste schüren nichts anderes passiert, ist doch arg enttäuschend. In der ganzen Geschichte gibt es nur zwei Personen, die Mae ins Gewissen reden: zum einen ihr Exfreund Mercer, zum anderen ein „mysteriöser“ Grauhaariger innerhalb der Firma (dessen tatsächliche Identität aber ziemlich offensichtlich ist). Leider tauchen diese Figuren aber nur selten auf und auch nur Mercer versucht Mae den Kopf zu waschen von den verqueren Ideen und der verqueren Logik des Circles. Leider bleibt Mae taub und die Geschichte verschenkt ihr Potential, eine differenzierte Sicht zu bieten wohin wir uns in der Realität mit unserer neuen Teile-alles-mit-allen-Mentalität bewegen. Sehr schade, denn das hatte ich eigentlich erwartet und nicht ein Buch, das nur eine Überwachungstechnik nach der anderen auspackt, mir flache Charaktere vorsetzt und null Spannung bietet.
Was es Gutes zu berichten gibt? Nun, Torben Kessler tut sein Bestes mit seiner Stimme noch etwas aus dem Roman heraus zu holen — was ihm bei der flachen Schreibe aber auch nur bedingt gelingt. Glücklicherweise ist das Hörbuch nur zehn Stunden lang und ließ sich somit schnell weghören.
Insgesamt gesehen bleibt es aber trotzdem eine Enttäuschung und wer es bisher nicht gelesen hat, hat auch nichts verpasst.

Eggers, Dave: Der Circle
978 3 89903 898 9
Hörbuch Hamburg HHV GmbH
August 2014, 10h 2min
Hörbuch