Hörbuch & Hörspiel, Nerdistan

Für Kee und Nick hatte das Leben bisher keine weltbewegenden Pläne im Petto, und so halten die beiden alternden Spielehelden die Nachricht „Welcome to Datacorp“ aus Raid Over Moscow zuerst für ein überzogenes Klischee. Doch die beiden wäre nicht immer noch dort, wo sie schon vor zehn Jahren waren, würden sie nicht doch der fixen Idee nachgehen und das Rätsel um Datacorp lösen wollen.

Es ist sehr schade, dass bisher nur der erste Band von David Nathan und Simon Jäger vertont wurde, den beiden zuzuhören ist einfach die größte Freude am Buch, dicht gefolgt von der Sprache, die erfrischend abwechslungsreich und salopp ist (im Wust von Übersetzungen geht das Bunte unserer Sprache ja auch gern mal verloren). Aber auch allerlei Anspielungen und Seitenhiebe auf die achtziger Jahre und heute hebten meine Stimmung. Genauso hatte ich meinen Spaß an Kees Ausführungen zu alter Technik und Spielen, von denen ich als U30 vieles nur vom Hörensagen oder durch Emulatoren kenne. (Aber immerhin, meine erste Konsole war ein Game Boy mit Tetris. Und beide funktionieren noch. Wenn ich nur wüsste, wo der Game Boy ist …) Dass neben allem die Geschichte etwas abfällt, ist kein Beinbruch – wenn man eben Spaß an Retronostalgie hat.
Schade fand ich nur, dass Kee als Figur etwas blass bleibt. In erster Linie definiert er sich über seinen Freund Nick und man erfährt nur zwischen den Zeilen was Kee für ein Mensch ist. Als sich die Wege der beiden dann im letzten Viertel trennen, ist es nur logisch, dass Kee weiterhin von Nick erzählt als wäre er bei ihm. Ziwschendurch hatte ich sogar den kurzen Gedanken, ob Nick nicht nur eine Einbildung ist, ein Alterego. Zum Glück bestätigt sich das letztlich doch nicht.
Was das Buch aber auf alle Fälle nicht ist, ist ein Thriller oder Krimi, dafür verliert Kee sich zu oft und zu ausführlich in Nostalgieanfällen. Die Spannung, wenn man das nennen kann, bleibt die ganze Zeit über auf dem gleichen Niveau und Nick und Kee zuckeln gemächlich durch den Plot. Aber manche Geschichten brauchen das, und wenn man Extraleben in erster Linie als spaßigen Retrotrip liest, wird man über die Gemütlichkeit schnell hinweg lesen. Oder in meinem Falle auch dank den Sprechern hinweg hören.

Gillies, Constantin: Extraleben
B007Z3T7UO
Marctropolis
April 2012
Hörbuch, ca. 7h