KG & Novellen, Mystery, Phantastik, Schriftsteller

ghostwriter

Herman Banks will den Jahrhundertroman schreiben. Dafür kauft er von seinen vielen Millionen Dollar ein Haus seines Lieblingsschriftstellers in England, nimmt seine junge Frau mit dorthin und igelt sich dort ein. Allerdings ist das mit dem Schreiben nicht so einfach wie gedacht — bis Dinge aus dem Haus verschwinden und zugleich Manuskriptseiten auftauchen. Herman genießt es. Nur dann verschwindet seine Frau …

Dass es in dieser Novelle nicht ohne übernatürliche Dinge zugeht, ist von Anfang an klar. Dass es allerdings wenig spannend ist, ist nicht das, was der Klappentext verspricht. Glücklicherweise tut es der Geschichte keinen Abbruch. Im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass sie eine gute Verfilmung abgeben würde.
Was mir weniger gefiel, waren die eingewebten Passagen des Jahrhundertromans. Zum einen unterscheiden sie sich stilistisch nicht vom restlichen Text — dieser Stil ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich herausragend (in der deutschen Übersetzung zumindest) –, zum anderen ist die Handlung des Jahrhundertromans so eindeutig symbolisch zu sehen für die Handlung um Herman, dass die Passagen schlicht überflüssig sind.
Auch die Figuren sind keine Herzenswärmer. Herman durch seine Verbissenheit, die sich in Wahn steigert — was allerdings zugegeben zur Geschichte passt und ich persönlich auch nicht anders konstruieren würde. Seine Frau Amber durch ihre Passivität. Und die Haushälterin ist einfach nur plakativ. Das mag nicht nur an der Form als Novelle liegen. Den beiden Polizisten DCI Barrie und DS Jones gönnt sie nur zwei Szenen, in denen sie so lebendig werden, dass ich sie sofort mochte.

Insgesamt habe ich die Novelle aber gern gelesen. (Sie las sich ja auch schnell weg.)


Ahern, Cecelia: Der Ghostwriter
978 3 8105 0154 7
S. Fischer Verlage
Mai 2014
HC

Kinder & Jugend, Krimi, Mystery, Phantastik

The Diviners von Libba Bray

Evie O’Neill trifft 1926 frisch in New York ein als eine Reihe von Ritualmorden die Städter aufschreckt. Verbannt zu ihrem Onkel, der Direktor des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes ist, mischt sie sich in die Ermittlungen ein und muss bald feststellen, dass ihre Gabe nicht nur für Partyspiele taugt sondern sie auch in höchste Gefahr bringt.

Auch wenn meine Leseliste mich vll. Lügen straft, muss ich zugeben, dass Jugendbücher nicht gerade mein bevorzugtes Genre sind. Das liegt an meinem subjektiven Eindruck, dass im JuBu das Potential einer Geschichte oft nicht völlig ausgeschöpft wird (gruslige oder brutale Momente zBsp.) und Liebesgeschichten oft eine viel zu dominante Rolle spielen, auch wenn es nicht als Liebesroman deklariert ist. Bei The Diviners ist das zum Glück völlig anders.
Evie O’Neill (btw: ich liebe den Namen Evie) ist eine erfrischend lebenslustige, starke, aber sicher auch streitbare Protagonistin, die als Musterbeispiel eines Flappers trinkt, raucht und manipuliert, dass es mir eine Freude war, von ihr zu lesen. Dass sie auch erst siebzehn ist, vergaß ich schnell und habe Evie als gleichaltrig wahrgenommen (wenn vll. dann doch auch etwas oberflächlich). Ob Evie allerdings jedem gefällt, halte ich für fraglich. Manchmal ist sie sehr selbstbezogen und prescht selbstbewusst vor, nur um auf die Nase zu fallen.
Was ebenso erfrischend anders war und mir sehr gefiel, war das Setting. New York in den Goldenen Zwanzigern, voll von Ungerechtigkeiten, verbotenem Alkohol und Frauen, die mit ihrer Emanzipation noch nicht recht wissen wohin. Ebenso positiv überrascht war ich auch von der Liebesgeschichte, die zwar vorhanden ist, sich aber langsam entfaltet. Wenn ich nicht vorher den letzen Absatz gelesen hätte, hätte ich überhaupt nicht erwartet, wer mit wem zusammen kommt. Gefühlt bis zur Hälfte des Buches hielten sich die Anzeichen dafür in Grenzen und auch danach spielte die Liebe nur eine untergeordnete Rolle im Plot.
Der Plot um die Mordfälle war allerdings etwas schwach, weil vorhersehbar. Trotzdem war es doch spannend wie gekonnt Libba Bray das ausgehende 19te Jahrhundert mit dem jungen 20ten Jahrhundert verbindet und die Faszination des Okkulten vom einen ins andere überträgt. Nicht zuletzt schwingt auch ein bisschen Punk mit, Stichwort: Menschmaschine.
Um es hier aber nochmals deutlich zu sagen: Das Okkulte ist hier nicht okkult sondern real. Evie besitzt die Gabe, Erinnerungsfetzen der Besitzer aus Dingen vor ihrem geistigen Auge zu sehen und ist beileibe nicht der einzige Diviner. Es gibt noch andere wie sie, die in kleinen Nebenhandlungen, die zur eigentlichen Aufklärung des Mordfalls nichts beitragen, vorgestellt werden. Da der aktuelle Roman nur der erste Teile einer Trilogie ist, werden sich zu ihnen sicher noch viele andere gesellen.
Das einzige, das mir nicht nicht einleuchtete, ist die Tatsache, dass Evie mit ihrer Gabe Mist baut und dann zur Strafe von ihren Eltern aus der Kleinstadt verbannt und nach New York geschickt wird. Da Evie wie gesagt Flapper ist, ist NY mehr oder weniger ein Eldorado für sie und ihre Eltern hätten wissen müssen, dass Evie sich dort eben nicht bessert. Vor allem nicht, wenn sich ein Onkel um sie kümmern soll, der Junggeselle und kinderlos ist und von ihr dann entsprechend völlig überrannt wird.

Meiner Meinung nach alles in allem aber ein klare Leseempfehlung für diesen Herbst.
Bin schon gespannt auf die nächsten Teile.

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Bray, Libba: The Diviners — Aller Anfang ist böse
978 3 423 76096 6
Deutscher Taschenbuchverlag, München
September 2014, 704 Seiten
Hardcover