Fantasy

512nzFNMoCL._SX326_BO1,204,203,200_ Anjas Welt liegt in Scherben. Der Vater hält sie für eine Versagerin, ihre Doktorarbeit ist auf Luft gebaut und zu allem Übel wird nun auch noch ihr Elternhaus versteigert. Als sie in einem seltsamen Teeladen eine Murmel sieht, die Superkräfte verleihen soll, überlegt sie nicht lange und greift zu, nichts ahnend, dass sie damit neue Probleme und Feinde auf den Plan ruft.

Was ganz amüsant klingt — vor allem wegen des Versuchs, Superhelden einmal im Roman darzustellen — entpuppt sich leider allzu schnell als mittelmäßige Geschichte. Der Stil ist nicht sonderlich herausragend, reicht aber noch zu einem passablen Schmöker. Wären da nicht der Plot und die Figuren.
Anja wird als junge, selbstbewusste Frau eingeführt, die der Schreckschraube des Labors die Stirn bietet und dem Mäuschen hingegen den Rücken stärkt. Andererseits lässt sie sich von ihrem alkoholkranken Vater auf der Nase herum tanzen, putzt das Haus für ihn, lässt sich von ihm anschreien und beurteilt 90% der anderen Figuren im Roman anhand von Äußerlichkeiten. Sehr oft benutzt sie nicht einmal Namen oder neutrale Bezeichnungen wie Mann oder Frau sondern denkt sich allerlei kreative Bezeichnungen aus. Das macht sie für mich sehr unsympathisch zumal sie dadurch auch einen gemeinen Touch wegbekommt.
Zum anderen wäre da die Sache mit der Unsichtbarkeit. Nachdem sie sich einigermaßen daran gewöhnt hat und diese Fähigkeit auch unglaublich schnell zu meistern lernt, völlig von alleine …, findet sie ihre neue Superkraft natürlich total toll und verteidigt sie vor ihrer Freundin. Als sie aber auf einen Gegner trifft, der ebenso Superkräfte wie sie besitzt, findet sie ihre Kraft plötzlich passiv und nutzlos. Sehr verwirrend. Ich meine, mit Unsichtbarkeit kann man ja auch mehr machen als sich nur wie ein Angsthase zu verstecken.
Verwirrend und ermüdend fand ich allerdings auch ihre Beziehung zu ihrem Vater. Warum hat sie sich nicht längst von ihm losgesagt? Warum hat sie nicht mehr Selbstvertrauen, dass sie nicht ständig nach seiner Anerkennung kämpft, die sie eh nie kriegen wird? (Und es ist ja nicht so als wüsste sie das nicht.) Der finale Streit mit ihrem Vater wirkte in der Hinsicht auch aufgesetzt: Einerseits will sie Anerkennung von ihm, andererseits provoziert sie ihn selbst und wundert sich dann über die verletzenden Aussagen und dass er sauer wird und sie rauswirft.
Aber, wie gesagt, es sind ja nicht nur die Figuren, die schwächeln, auch der Plot hatte so seine Momente: Es gibt einfach Szenen, die nicht einmal mehr als Fluff durchgehen und die sehr wirr und deplatziert auf mich gewirkt haben. Beispielhaft sei da die Szene in der Bank genannt, in der die unsichtbare Anja ohne Vorwarnung (oder vorhergehende Gedankengänge oder andere Äußerungen/ Taten, die auf eine entsprechende Moral hinweisen) einer Bankmitarbeiterin in den Tresorraum folgt und dort über einen Stapel Banknoten streicht, nur um dann wiederum kurz vor knapp aus dem Tresor zu entkommen. Insgesamt wirkte die Szene auf mich wie ein typischer NaNoWriMo-Unfall, bei dem man plötzlich mit seinem Charakter an einem Ort steht und nicht weiß, was man mit ihm machen soll und dann der erstbesten Idee folgt. Die Auflösung insgesamt war auch eher… schwach. Anja sagt zwar immer, sie schwebe in Gefahr und würde verfolgt, tatsächlich taucht der entsprechende Gegner aber nur in zwei Szenen auf. Dazwischen ist Anja mehr mit sich selbst als mit allem anderen beschäftigt und gerät dabei eben nicht in lebensbedrohliche Situation, die auf Verfolger schließen lassen könnten.

Insgesamt gesehen habe ich mich beim Lesen mehr geärgert als irgendeinen Genuss empfunden. Zwar hatte ich gehofft, dass es besser wird, weil mir die Grundidee mit den Superhelden immer noch gefällt, wurde aber dann auch im Finale enttäuscht. Schade. Die Cover der Reihe sehen richtig gut aus.

Vellguth, J.: Die unsichtbare Heldin
978 1 530 27326 3
CreateSpace Independent Publishing Platform
Januar 2015
E-Book, 200 Seiten

Fantasy, Krimi

Johannes Cabal hat Besseres zu tun, als mit der mirkavianischen Schickeria Cocktails zu schlürfen und über den Himmel zu schippern. Aber was will man machen, wenn man als Bücherdieb und Totenbeschwörer auf der Flucht ist. Glücklicherweise geschieht alsbald ein Mord und Cabal vertreibt sich die Zeit mit dessen Aufklärung — was sich allerdings etwas schwierig gestaltet, da seine Tarnidentität nicht von der neugierigsten Sorte ist und auf Cabal auch noch ein Mordanschlag verübt wird. Nun, zumindest auf seine herumschnüffelnde Tarnung. Und als wäre das nicht genug, muss sich Cabal noch mit Miss Barrows herum schlagen, deren Leben er letztlich retten darf. Und seines natürlich ebenso. Nur das Luftschiff … Tja.

Manchmal verliert man Dinge aus den Augen und mir ging es mit dieser Serie so. Teil 1 (Seelenfänger) las ich irgendwann 2012, grob kenne ich die Geschichte noch, aber wie sehr mir der Stil gefiel, weiß ich nicht mehr. Es muss allerdings nicht allzu schlecht gewesen sein, sonst hätte ich den zweiten Teil nicht doch irgendwann gekauft. Dann stand das Buch natürlich im Regal. Und stand, und stand, und stand. Und fast hätte ich ein wunderbares Lesevergnügen verpasst.
Natürlich, der Krimiplot von Cabals zweitem Abenteuer ist nicht sonderlich ausgefeilt, enthält aber letztlich alles, was ein guter Agententhriller der 60er Jahre braucht. — Ja, das Buch kann sich nicht entscheiden, welches Genre es bedienen will. Aber das macht nichts. Wovon es getragen wird, ist zum einen Cabal als Figur, der typische Antiheld, und zum anderen der Humor. Trocken, abgeklärt, überraschend. Eben ganz wie Cabal.

Zu meiner Bestürzung musste ich allerdings feststellen, dass der Titel als deutsche Ausgabe anscheinend nicht mehr lieferbar ist und nur noch gebraucht bezogen werden kann. Bei der englischen Ausgabe sieht es auch nicht unbedingt besser aus. Schade, ich hätte das Buch gern weiter empfohlen.


Howard, Jonathan L.: Johannes Cabal — Totenbeschwörer
978 3 442 47034 1
Wilhelm Goldmann Verlag, München
Oktober 2010
Paperback

Fantasy, KG & Novellen

Von mordlüsternen Flusswassermännern über weihnachtliche Anderswelten bis zu schuhfressenden Werpudeln bietet diese Anthologie einiges an Abwechslung. Erfrischenderweise — aber anders als der Titel vermuten lässt — gibt es nur eine Vampirgeschichte. Ansonsten treffen wir noch auf mordende Weihnachtsbäume, besuchen ein damönisches Fest, erleben einen Herzinfarkt hautnah oder hören Erzählungen über geheime Magierkriege und Schrumpfzauber.

Die Qualität der Geschichten, sowohl in puncto Originalität, Stil und Plot schwankt, auch der phantastische Anteil ist oft nicht so direkt ersichtlich. Gerade ab der Hälfte des Buches werden die Geschichten eher, wie soll ich sagen, langweiliger, schematischer beziehungsweise gerade die Geschichte 24 Hahnenschreie wirkte auf mich sehr deplatziert (und mit den erklärenden Fußnoten auch nicht wirklich gut gelöst). Als wären gerade die letzten vier/ fünf Geschichten nur Füller gewesen.
Hingegen gefiel mir Blüten sehr gut. Darin erklärt eine Krähe einem Weihnachtsbaum, der einsam auf einem Balkon steht, wie es um ihn steht und was mit ihm noch geschehen wird. Das Bäumchen lässt sich von der Krähe jedoch nicht zur Trauer um seinen baldigen Tod hinreißen und beweist ihr, welch Magie in ihm steckt. Eine kurze, aber schön-traurige Geschichte über den Kommerz zu Weihnachten. (Ja, ich lehne es zutiefst ab, Bäume nur dafür zu kultivieren, dass sie zu Millionen für Weihnachten gefällt werden können.)

Insgesamt gesehen ist es eine solide Anthologie, die durchaus mit witzigen Ideen zu überzeugen weiß (der eingangs erwähnte Werpudel), aber auch ernste Töne anschlägt (s. Blüten).


Das Fest der Vampire (Anthologie)
978 3 492 26678 9
Piper Verlag
November 2008
TB