Hörbuch & Hörspiel, Science Fiction

Herr aller Dinge von Andreas Eschbach

Hiroshi, Sohn eines reichen Amerikaners und einer japanischen Wäscherin, hat bereits als Halbwüchsiger einen Plan wie er die Ungerechtigkeit der Welt abschaffen kann, indem er alle Menschen zugleich reich machen will. Seiner Freundin Charlotte, Tochter des französischen Botschafters in Tokio, erklärt er seinen Plan erst Jahre später nachdem er selbst mit einer technischen Spielerei zu Reichtum gekommen ist und für seine Idee Investoren gefunden hat. Dummerweise ist er nicht der erste mit dieser Idee, und seine Vorgänger vor tausenden von Jahren haben sie auch nicht gerade zum Wohle der Menschheit eingesetzt.

Herr Eschbach ist einer der wenigen Autoren, die sich seit Jahren ganz oben halten in den Beststellerlisten und entsprechend kann man hoffen, auf halbwegs unterhaltsame Literatur zu stoßen. In diesem Falle nur leider weit gefehlt. Herr Eschbach, was war nur los?
Zugegeben, es war mein erster Eschbach, ich kannte bisher nur die Verfilmung des Jesus Videos, was mir allerdings genug war, um Gutes zu hoffen. Tja, und dann sah ich mich unversehens in einer Geschichte wieder, die zur Hälfte in weiten Teilen belanglos und völlig schnarchlangweilig war. Nur weil die Grundsteine für eine Geschichte lange in der Vergangenheit liegen, muss man nicht unbedingt die ganze Lebensgeschichte der Figuren von den Grundsteinen an erzählen bevor man zur eigentlichen Geschichte kommt. Bei Der Herr aller Dinge ist das aber leider der Fall.
Das Buch beginnt mit Hiroshi und Charlotte im Kindesalter in Tokio und schildert wie beide sich kennen lernen, begleitet sie dann wie sie sich auseinander leben und nur alle Jubeljahre wieder sehen bis Charlotte ungefähr nach zwei Dritteln des Buches eine Arktisreise antritt und dabei auf technische Hinterlassenschaften trifft, die außerirdisch anmuten – sie sogleich aber auch an Hiroshis Erfindung erinnern und sie ihn deswegen anruft. Als wären die ersten zwei Drittel des Buches im Nachhinein angepappt wurden, weil man sonst fürchtete das Buch würde zu dünn, nimmt die Geschichte mit der Arktisreise an Fahrt auf, führt eine ziemlich irre Verschwörung ein und endet für mich sehr unbefriedigend und willkürlich.
Neben der Tatsache, dass manche Dinge sehr abstrus sind (eine Vorzivilisation, von denen es keine Nachlassenschaften gibt, und die Raumschiffe gebaut hat, deren einziger Zweck es ist, andere belebte Planeten zu zerstören), haben mich die Charaktere am meisten geärgert. Hiroshi, weil er keine tieferen Bindungen mit anderen Menschen eingeht und es nicht einmal fertig bringt, Charlotte seine Gefühle zu gestehen – und Charlotte, weil es mit ihr das Gleiche ist, sie aber vor allem die meiste Zeit sehr passiv agiert und mehr eine Beobachterin ist als eine handlungstragende Figur. Zumal sie ihre tolle, übernatürliche Fähigkeit (sie kann sehen und fühlen, was Menschen fühlten als sie bestimmte Dinge in der Hand hatten) im Laufe der Geschichte einfach verliert. Anstatt sie bspw. in der Antarktis anzuwenden und das Tagebuch eines russischen Wissenschaftlers zu entschlüsseln, müht sie sich in sterblicher Kleinstarbeit ab und übersetzt es umständlich… weil Charlotte Sprachen auch nur übers Hören lernt, und nie das Lesen dazu. Ehrlich, wie blöd muss man sein? Wenn man die Sprache schon wie ein Muttersprachler sprechen kann, ist es doch nicht so schwer, noch lesen zu lernen.
Aber das Ärgerlichste war das Ende, bei dem sich Hiroshi völlig feige aus der Affäre zieht und die Erde zum Sterben zurück lässt. (Ich mein, das Raumschiff ist doch immer noch da? Ich erinnere mich jedenfalls nicht, dass dieser Strang abgeschlossen wurden wäre.) Natürlich ist trotzdem alles Friede Freude Eierkuchen, weil Hiroshi Charlotte endlich seine Gefühle gesteht und ihr ein recht… makabres Erinnerungsstück hinterlässt.
Insgesamt gesehen einfach ein Thriller ohne Thrill, bei dem selbst der Sprecher droht einzuschlafen.

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Eschbach, Andreas: Herr aller Dinge
B0083JDZLQ
Lübbe Audio
September 2011
Hörbuch, ca. 24 Stunden