Roman

Wovon wir träumten von Julie Otsuka

Wovon wir träumten von Julie Otsuka
Sie haben nicht mehr als die Fotografien ihrer Ehemänner und einen Rattankoffer voller Kleider und Hoffnungen, Wünsche und Träume als Anfang des letzten Jahrhunderts unzählige Japanerinnen den Ozean überqueren und in die USA immigrieren. Aber nicht nur das wunderbare Leben, das man ihnen versprach, entpuppt sich als Lüge …

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zieht nicht nur Europäer an, aus allen Teilen der Welt zieht es Menschen in die USA. Julie Otsuka erzählt in ihrem Roman nun von Japanerinnen, denen die Realität ebenso Steine an die Fesseln bindet wie jedem anderen, der sich zu große Hoffnungen machte. Nur wie sie es erzählt, ist ungewöhnlich. Es gibt kein Du, kein Ich; es gibt nur ein Wir, die Japanerinnen, und es gibt ein Sie, zuerst sind das andere Immigranten, sind es Bürger der USA, und als der Krieg kommt, sind es die Japaner in Pearl Harbor. Zwischendrin erzählt Julie Otsuka auch vom täglichen Leben auf den Feldern, erzählt von Japanerinnen als Bedienstete, und als Verlorene zwischen den Welten; erzählt vom Eheleben, den unzähligen Geburten und von den unzähligen Kindern.
Manchmal ist dabei nicht nur der Inhalt unangenehm, auch Otsukas Stil kann ermüdend sein, wenn er sich in reinen Aufzählungen verliert (was äußerst häufig ist bzw. eigentlich das Merkmal ihres Stils in diesem Roman). Aber vermutlich ist es auch gewollt: unzählige Einzelschicksale, die zu einer undefinierbaren Masse verschmelzen.

Es ist ein kurzes Büchlein, aber es steckt so viel darin und wenn man sich die Zeit nimmt, und vor allem auch die Pausen, ist es eine Bereicherung. Ich würde es wunderbar nennen wollen, wenn es dafür nicht zu traurig wäre.

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Otsuka, Julie: Wovon wir träumten
978 3 443 67969 0
Wilheilm Goldmann Verlag, München
April 2014, 159 Seiten
Paperback